ATMU CD99003

Hans Gansch / Noriko Shima
Trompetenmusik des 20. Jahrhunderts

Erscheinungsjahr: 1999

-> kaufen

Aus dem Booklet:

Ausdrücklich als Kontrakpunkt zu französischen und angelsächsischen Interpretationsgewohnheiten verstanden, zeigt Hans Gansch auf der für das deutsche System typischen Drehventiltrompete, was er unter "österreichischem Klang- und Interpretationsempfinden" versteht. Musik und Stück dienen nicht als Werkzeug zur Selbstdarstllung des Künstlers, sondern umgekehrt: Der Musiker ist Erfüllungsgehilfe des Komponisten und hat sich dessen musikalischer Gedankenwelt unterzuordnen. Dieses ehrwürdige Ziel mag in seiner Absolutheit nie ganz erreichbar sein, der Versuch einer redlichen Behandlung des Stoffes wird dadurch aber nicht automatisch für unmöglich oder gar unvernünftig erklärt, denn: Was ist in der Kunst schon vernünftig? Ehrlichkeit statt Effekthascherei, Tiefe und Empfindung statt selbstgefälliger Angeberei, Werktreue und Suche nach der musikalischen Essenz verleihen Gansch in der Zusammenschau großer Trompeten-Virtuosen einen besonderen Stellenwert. Dabei scheint es gleichgültig, ob er sich im 18. oder - wie für die vorliegende Produktion - im 20. Jahrhundert bewegt.

Sämtliche in der "Trompetenmusik des 20. Jahrhunderts" vereinten Werke wurden im Original für Trompete und Klavier komponiert. Die Sonate von Paul Hindemith (1895-1963) gilt als Standardwerk innerhalb der modernen Trompetenliteratur und repräsentiert im Programm der CD das deutsche, ernste Fach. Schlichte Empfindung in der emotionalen Sichtweise von Gansch führen nur scheinbar widersprüglich zu einer starken Interpretation im Ergebnis.

Der aus der französischen Schweiz stammende Arthur Honegger (1892-1955) steht an der Schnittstelle zwischen deutscher und französischer Tradition. Seine Intrada verlangt vom Interpreten ein Höchstmaß an künstlerischer und musik-handwerklicher Energie, die über das von Gansch verwendete deutsche System voll zur Geltung kommt.

Der Komponist Karl Pilss (1902-1979) wurde in früheren Jahrzehnten regelmäßig aufgeführt, verschwand aber fast zur Gänze - und völlig zu unrecht - aus der Aufführungspraxis, möglicherweise durch einen Mangel an effektvoller Ornamentik und dem damit fehlenden Potenzial zur Selbstdarstellung. Mit der Interpretation der Sonate weist der Österreicher Gansch dem Österreicher Pilss jenen Platz zu, der ihm anderswo verwehrt wird.

Mit Caprice von Eugene Bozza (1905-1991) und Legende von George Enescu (1881-1955) widerlegt Gansch schließlich die weit verbreitete Annahme, das französische Fach sei auf dem deutschen System nicht spielbar. Gerade durch die Auflösung dieses scheinbaren Widerspruchs stellt der frühere Solo-Trompeter der Wiener Philharmoniker und jetzige Professor am Mozarteum Salzburg den universellen Anspruch seiner Stilistik unter Beweis.

(Christoph Kufner)


 

Titel

 

Personal

MP3

1.

Intrada

4:39

Musik: Arthur Honegger (1892-1955)

 

  Sonate  

Musik: Karl Pilss (1902-1979)

 

2.

Allegro appassionato

5:20

 

 

3.

Adagio, molto cantabile

6:00

 

 

4.

Allegro agitato

3:40

 

 

5.

Legende

6:38

Musik: George Enescu (1881-1955)

 

  Sonate  

Musik: Paul Hindemith (1895-1963)

 

6.

Mit Kraft

5:17

 

 

7.

Mäßig bewegt

2:35

 

 

8.

Caprice

8:16

Musik: Eugene Bozza (1905-1991)